20. März 2012

Teil 4: Kontaktaufnahme mit dem Jugendamt


Ich saß ganz aufgeregt vor dem Telefon und überlegte angestrengt, 
was ich der Person am anderen Ende der Leitung bloß erzählen sollte. 
Ich wusste ja nicht mal ob ich überhaupt die richtige Nummer hatte.
Aber meine Bedenken waren völlig überflüssig. Die Mitarbeiterin des 
Jugendamtes war sehr freundlich und leitete mich weiter zum Pflegekinderdienst,
in meinem Fall zu dem zuständigen Mitarbeiter für die Sonderpflegestellen. 
Wir telefonierten bestimmt 1,5 Stunden miteinander und verabredeten uns 
zum Kennenlernen im Jugendamt. Ich hatte ein sehr gutes Bauchgefühl.

Tage später waren mein Mann und ich vor diesem Termin natürlich sehr nervös.
Was haben die wohl für Erwartungen, was für Fragen? 
Vielleicht finden die Mitarbeiter ja, dass wir als Pflegeeltern gar nicht geeignet sind.
Unseren Erziehungsstil würden wir als "demokratisch-humorvoll-kreativ" beschreiben. 
Und grade ich als gelernte Erziehrin, erziehe gar nicht nach "Lehrbuch", 
sondern nach Gefühl und Situation. 
Vielleicht kommt das beim Jugendamt gar nicht so gut an...
Aber das waren wieder völlig unnötige Gedanken.

Wir tranken gemeinsam Kaffee und unterhielten uns ungefähr 2 Stunden 
völlig entspannt über Gott und die Welt, aber natürlich auch über unsere 
Beweggründe, ein Pflegekind bei uns aufnehmen zu wollen. 
Es herrschte eine angenehme, vertrauensvolle Atmosphäre, 
gar nicht so nüchtern/offiziell, wie man es sich bei Ämtern sonst so vorstellt.
Es folgten in den kommenden Monaten noch viele dieser Treffen in denen wir 
auf unsere zukünftige Aufgabe intensiv vorbereitet wurden.  
(Da ich ja eine pädagogische Ausbildung habe und mit dem Hilfeplanverfahren
vertraut war, gestaltete sich die Vorbereitung anders, als es bei anderen
Pflegeeltern vielleicht der Fall ist.)
Es ging nicht nur darum, was wir selber unter Erziehung verstehen, 
sondern auch darum, wie wir Erziehung selber erlebt haben. 
Wie wir unsere eigene Kindheit empfunden haben...
und was dort vielleicht nicht so lief, wie wir es uns im Nachhinein selber 
gewünscht hätten. 
Wir sprachen über unsere Stärken als Elternpaar und wie wir das zukünftige 
Kind fördern wollen, fördern könnten. Man erklärte uns dabei auch sehr detailliert, 
welche besonderen Bedürfnisse Pflegekinder oftmals haben.
Wie könnten wir zu den leiblichen Eltern stehen? 
Was wäre, wenn das Kind unsere Familie wieder verlassen müsste
oder was wäre, wenn die Chemie zwischen uns und ihm doch nicht stimmt?
Wie gehen wir mit den Vorurteilen unserer Mitmenschen um?

Wir besprachen unglaublich viele Themen,nahmen unseren Termin beim Hausarzt wahr, 
um offiziell bestätigen zu lassen, dass wir physisch und psychisch
in der Lage sind, uns um ein Pflegekind kümmern zu können. 
Außerdem mussten wir auch ein ausführliches, polizeiliches Führungszeugnis 
zum Jugendamt senden lassen und füllten einen umfangreichen Bewerberbogen aus.

Die Vorbereitung tat gut, nahm uns unsere Bedenken und schuf auch Vertrauen
zur Institution Jugendamt. Es ging bei der gesamten Vorbereitung nicht nur darum, 
ob wir einem fremden Kind gerecht werden könnten, es ging auch um uns 
und unser Wohl als bereits bestehende Familie. 
Das wurde immer wieder betont, das gab uns Sicherheit...

Teil 5  *klick*

3 Kommentare:

  1. ich glaube als nicht pedagoge muss man sicher kurse belegen und sowas alles!

    ich bin gespannt wie es weiter geht!

    lg kerstin

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  2. Ernstes Thema, respekt das ihr das auf Euch genommen habt ... ich denke, ach quatsch ich weiss, derzeit hätte ich da keinen Kopf und keine Geduld für, bin mit den beiden Kleinen, Hund, Mann und all so nem Zeug schon gut voll ... aber schön, das es so liebevolle Menschen wie Euch gibt ... was wären wir ohne :-D freue mich auf mehr von Dir ...

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  3. Also respekt muss ich sagen ... dafür braucht man eine Menge "Fertigkeiten", die ich mir, jedenfalls derzeit nicht zusprechen würde ... da nimmt man ganz schön was auf sich, schön das es Menschen wie Dich gibt, die immer noch bereit sind, dies zu tun ... ich hoffe es läuft auch weiter gut für Euch ... ich hab so eine Pflegschaftsgeschichte auch schon "negativ" enden sehen ... da sollte ein Kind, nach über 10 Jahren zurück zur Mutter, war damals 13 ... ach lange Geschichte ... tut auch nix zur Sache hier, aber ich freue mich mehr davon zu lesen! Schönes Wochenende!

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